Logistikknoten Wittenberge

Informationsveranstaltung "Wittenberge: vier Länder - ein Standort"

Dr. Oliver Hermann, Bügermeister, informiert über den Standort Wittenberge

Foto: Stadt Wittenberge, C. Schomaker

Reges Interesse am Logistikknoten Wittenberge

Foto: Stadt Wittenberge, C. Schomaker

Referenten Dr. Oliver Hermann (Bürgermeister Wittenberge), Dagmar Ziegler (MdB/SPD), StS Ines Jesse (MIL Brandenburg), Dr. Sabine Kramer (Beigeordnete Landkreis Prignitz)

Foto: Stadt Wittenberge, C. Schomaker

Unter diesem Motto fand am 11. April 2017 eine Informationsveranstaltung in der Alten Ölmühle Wittenberge statt, die gemeinsam von der Stadt Wittenberge, der Wirtschaftsförderung Land Brandenburg (WFBB), dem Logistiknetz Berlin-Brandenburg und Hafen Hamburg Marketing organisiert wurde. Knapp einhundert Interessierte aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung informierten sich über Rahmenbedingungen und Strategien der Infrastrukturentwicklung in der Region, die aufgrund der verkehrsgeografischen Lage im Zentrum der Verkehrsachsen Hamburg – Berlin und Rostock – Magdeburg liegt.

Nach der Begrüßung durch die Vertreterin des Landkreises Prignitz, Frau Dr. Sabine Kramer, und der Staatssekretärin im Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg (MIL), Frau Ines Jesse, stellte der Bürgermeister Wittenberges, Dr. Oliver Hermann, die Entwicklung der Stadt zu einem modernen Wirtschafts- und Lebensraum dar. Die Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Elbe der SPD-Fraktion, Frau Dagmar Ziegler/MdB, leitete mit ihrem Beitrag zum Thema Infrastruktur über, in dem sie betonte, dass mit der Annahme des Gesamtkonzeptes Elbe durch Bund und Länder ein wichtiger Schritt zur Ertüchtigung der Elbe als Wasserstraße gemacht wurde. „Damit ist die Zukunft Wittenberges als Hafenstandort gesichert“, so Ziegler.

Details zum Gesamtkonzept Elbe und deren Rolle als eine Hauptwasserstraße im europäischen Wasserstraßennetz erläuterte Reinhardt Klingen, Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, in seinem Vortrag. „Durch die Einbeziehung von Vertretern aus Wirtschafts- und Umweltverbänden erwarten wir, dass der erzielte Konsens zwischen den unterschiedlichen Nutzungsanforderungen sich auch in der Umsetzung widerspiegelt“ äußerte Klingen in Hinsicht auf den Anschlussprozess. Für Egbert Neumann, MIL, stand der Bereich Straße und dabei vor allem die für die Region besonders wichtige A14 als Anschluss der Region an die deutschen Nord- und Ostseehäfen und der besseren Verbindung an das Autobahnkreuz Magdeburg im Mittelpunkt. Für den Bereich Schiene konnte Arvid Kämmerer, DB Netz AG, deutlich bessere Möglichkeiten vorstellen. Mit der Lage Wittenberges an der Hauptstrecke Hamburg – Berlin und einem ICE-Bahnhof sei die Region Prignitz schienenmäßig bereits heute gut angebunden. „Eine weitere Verbesserung wird durch den Ausbau des Ost-Korridors stattfinden“, so Kämmerer.

Dr. Wolfgang Bacher, Elbe-Port Wittenberge GmbH, stellte den Hafen als Logistikzentrum für die Region dar. Seit der Übernahme der Mehrheitsanteile durch die DESAG-Gruppe wurde vor allem die Rolle des Hafens als Güterbahnhof gestärkt. „Die Basis für den wirtschaftlichen Erfolg des Hafens stellt heute die Bahn dar, erst mit der Entwicklung der Elbe zu einer verlässlichen Wasserstraße können wir auch die zahlreichen Anfragen auf Schiffstransporte mit zuverlässigen Angeboten untersetzen“ betont Dr. Bacher.

Vertreter/-innen von Unternehmen aus der Region erläuterten die Entscheidungsgrundlagen für eine Ansiedlung in der Region Prignitz, aber auch ihre Ansprüche und deren Erfüllung hinsichtlich der Verkehrserschließung. Mit Vorträgen von Austrotherm Dämmstoffe GmbH, Meyer & Meyer Logistikzentrum Wittenberge GmbH & Co. KG, DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH, Becker Umweltdienste GmbH und Francotyp Postalia Produktionsgesellschaft mbH waren sehr unterschiedliche Geschäftsfelder vertreten. Dennoch gab es einen übergreifenden Aspekt: die insgesamt positive wirtschaftliche Entwicklung dieser Unternehmen und gute Standortbedingungen wird immer noch durch infrastrukturelle Engpässe behindert. Neben einer fehlenden ganzjährigen Befahrbarkeit der Elbe war die A14 zentrales Thema. Deren Fertigstellung sichert den Anschluss der Wirtschaftsregion in Richtung Hamburg, aber auch in Richtung der südlichen Märkte. Thomas Schoknecht, Francotyp-Postalia, brachte es auf den Punkt: „Wir haben als Unternehmen mit unserer Ansiedlung unsere Zusagen erfüllt – jetzt ist die Verwaltung mit der Einhaltung ihrer Versprechen zur Infrastruktur dran.“

Die abschließende Podiumsdiskussion wurde mit einem Impulsvortrag durch Stefan Kunze, Hafen Hamburg Marketing, eingeleitet. Darin unterstrich er die exponierte Lage Wittenberges an den drei Verkehrsträgern Straße, Schiene und Wasserstraße, mit der die Stadt ein zunehmend wichtiger Logistikpartner für den Hamburger Hafen und die Metropolregion Hamburg wird. „Für den Hamburger Hafen sind die Hinterlandverbindungen immens wichtig. Dieser Bereich wächst – teilweise auch gegenläufig zum Seegüterumschlag – seit Jahren kontinuierlich“, so Kunze. Wittenberge habe als Schnittpunkt zwischen den Verkehrsachsen und im Transeuropäischen Orient-East-Med-Korridor die Chance, sich nicht nur als Logistikdrehscheibe für die Unternehmen in der Region Prignitz, sondern auch für übergreifende Logistikkonzepte zu etablieren. Axel Plass, Zippel Group Hamburg, dazu: „In diese Richtung gehen die Überlegungen unserer Gruppe, die bereits heute Container nach Wittenberge per Bahn transportiert. Wir können uns jedoch vorstellen, den Hafen als Drehscheibe für unsere Verkehre zwischen den norddeutschen Häfen und Mittel- und Ostdeutschland zu nutzen.“

Als Fazit der Veranstaltung kann festgehalten werden, dass trotz vorhandener Bottlenecks der Infrastruktur – und darunter auch der digitalen Infrastruktur - die Entwicklung von Wittenberge als Stadt, aber auch Wirtschaftsstandort in den letzten 10 Jahren sehr positiv war und sich dieser Trend auch in der Zukunft fortsetzen wird. Notwendig dafür ist nicht nur das weitere Engagement der Verantwortlichen in Politik und Verwaltung, sondern auch das Engagement von Unternehmerinnen und Unternehmern und deren weitere Vernetzung – die unter anderem auch durch Veranstaltungen wie „Wittenberge: vier Länder - ein Standort“ gefördert wird.